Fassungslos City. Wie soeben die Nachrichtenagentur Xing Hua berichtet, wird die deutsche Nationalelf den gestern Abend rein zufällig erworbenen Titel "Vizeeuropameister" wieder an die UEFA zurückgeben. Ja, wir haben halt noch Anstand!
Meine sehr verehrten Damen und Herren,
war das ein schreckliches Spiel auf deutscher Seite? Ist das denn noch zu fassen, was da an nutellahaftem Fassmichnichtan auf dem Platz herum turnte? Hat der Bundestrainer den Spielern selbst am Endspieltag noch nicht verraten, dass man sich in einer EM befindet - im Endspiel dieser EM?
In der zweiten Hälfte habe ich die Fehlpässe der Deutschen gezählt, bei No. 28 hab' ich es aufgegeben. Ich muss lange zurückdenken, um mir ein ähnlich hochkarätiges Bubenturnier ins Gedächtnis zu rufen.
Als hätten sie Augenbinden getragen, sind sie ohne Biss und Leidenschaft übers Feld gejagt, nach zehn Minuten nur noch gejagt worden. Kein Ziel, kein Zug, kein Zugriff. Abpfiff. Schon nach 20 Minuten.
Oberlusche des Abends: Hitzlsperger, der so gut wie keinen Pass an einen schwarzweiß Gekleideten brachte, dafür aber die Rottrikotierten dauernd beglückte. Herr Frings, der während des gesamten Turniers durch seine langen Haare auffiel, war nur pro forma da - schade eigentlich, denn ich wäre auch gern mal aufs Spielfeld gerannt, um einmal im Leben auf einer Stadiongroßbildleinwand zu erscheinen, um meiner Oma zuzuwinken.
Herr Gomez: Ich bekam einen Schreck, als ich den Namen auf einem schwarzweißen Trikot las - was? der auch da? Ja. Dank eines kurzen Kameraschwenks kann die Beweisführung hier sauber arbeiten.
Wer war noch da, außer 20 tausend deutschen Fans? Richtig: Der Kapitän Michael Ballack. Gestern Abend war er der Star aller deutschen Mädchenfußballvereine. So spielt einer, der seine Barbies nicht erschrecken möchte. Dumm nur, dass echte Spanier-Kens seine Gegner waren. Wäre er Kapitän eines Schiffes, ich würde meine neue Heizdecke nicht auf einem Rheindampfer kaufen. Da nehm' ich doch lieber die Busfahrt und den Fresskorb mit Minileberwürsten, die mich in einem abgelegenen Landgasthof erwarten. Hauptsache 'Land in Sicht!'
Spätestens der Einsatz des kleinen goldigen Jansen (als Ersatz für den verletzten Klose) war das Eingeständnis des Bundestrainers, dass die U-18-Auswahl der internationalen Turnierauswahl der Deutschen ein wenig zu dicht auf die Pelle gerückt ist. Rätselhaft auch die Tatsache, dass der flinke Odonkur geduldig auf der Bank warten musste, bis er die geschlagene Zwölf endlich auf dem Spielfeld trösten durfte. Seine Einsatzbereitschaft – gerade in Stillstandphasen der deutschen Mannschaft – hatte er während der WM 2006 eindrucksvoll demonstriert.
Und nun der Club im Club: Podolski und Schweinsteiger. Über das Kaulquappenstadium kamen beide nie richtig hinaus. Vertrocknet in einer immer kleiner werdenden Pfütze, der vom Mittelfeld, von wenigen Minuten abgesehen, kein Tropfen Wasser zugeführt wurde. Ausgequakt, noch bevor sie richtig springen konnten.
Vielen Dank, Jens Lehmann, dass wir nicht 5 zu null nach Hause fahren mussten. Vielen Dank, liebe Spanier, dass ihr uns das 8 zu null erspart habt.
Ich bin fertig.

